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Lebenshilfen kritisieren die durchgehende Maskenpflicht in Werkstätten

Juni 11, 2020 8:55 am Veröffentlicht von

 

Laut der am 6. Juni 2020 in Kraft getretenen Verordnung des Sozialministeriums müssen ab sofort beeinträchtigte Menschen in den Werkstätten (WfbM) während der gesamten Aufenthaltsdauer Masken tragen, auch dort, wo Abstandsregeln eingehalten werden. Das bedeutet, dass das Tragen der Masken bis zu acht Stunden täglich zugemutet wird, lediglich zum Essen dürfen die Masken abgenommen werden.

„Diese Verordnung ist unverhältnismäßig!“ ist die Meinung aller  Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Lebenshilfe Ostniedersachsen, zu der auch die Lebenshilfe Goslar gehört. Gemeinsam haben sie sich in einem offenen Brief an die Sozialministerin Dr. Carola Reimann gewandt. „In vielen Bereichen wurden Lockerungen eingeführt, nur in den Werkstätten kommt es zu einer Verschärfung“, meint Clemens Ahrens, Geschäftsführer der Lebenshilfe Goslar.

Umfangreiche Hygiene- und Schutzmaßnahmen umgesetzt

Die Lebenshilfe Goslar hat sich in den letzten Wochen intensiv mit Schutz- und Hygienemaßnahmen beschäftigt, Konzepte in Zusammenarbeit mit der Betriebsärztin erstellt und diese mit dem hiesigen Gesundheitsamt abgestimmt. Demnach ist das Tragen einer Mund-Nasen-Maske am direkten Arbeitsplatz in der Werkstatt nicht notwendig, da hier der Mindestabstand eingehalten wird und zusätzlich aufwändig Plexiglas-Schutzwände angebracht sind.

Die 230 Beschäftigten, die bereits seit dem 2. Juni 2020 wieder in die Werkstatt kommen dürfen, werden von den pädagogischen Fachkräften geschult und angeleitet. Alle halten sich sehr diszipliniert an Abstandsgebote, Händewaschen und das Tragen der Mund-Nasen-Masken dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann. Weiterhin wurden neue Arbeitsgruppen gebildet, um eine Vermischung der Gruppen zu verhindern. So arbeiten jetzt zum Beispiel Mitarbeiter, die zusammen wohnen, auch gemeinsam in einer Gruppe und verbringen zusammen ihre Pausen. Damit besteht ein noch größerer Schutz für diese Gruppe. Auch wenn das bedeutet, dass sie Freunde, die sie aufgrund der Werkstattschließung gar nicht sehen konnten, jetzt nur von Weitem sehen können, sind doch alle froh, wieder einer Tätigkeit nachgehen zu können. Maßnahmen, die weit über Regelungen hinausgehen, die in anderen Unternehmen üblich sind.

Beschäftigte sollen sieben bis acht Stunden am Tag Mund-Nasen-Masken tragen

„Unter diesen Umständen einer ganzen Gruppe von Menschen abzusprechen, sich an die Regeln halten zu können, ist diskriminierend!“ schreibt die Arbeitsgemeinschaft Lebenshilfe Ostniedersachsen und weiter. „Weder Menschen ohne Behinderung noch mit Beeinträchtigen ist eine derartige Anforderung menschlich zumutbar. Durchgehend für sieben bis acht Stunden am Tag eine Bedeckung zu tragen, also auch am Arbeitsplatz, wo Abstandsregeln eingehalten werden können, ist weder verhältnismäßig, noch zumutbar und auch nicht im Sinne des Infektionsschutzes zu vermitteln.“

Die Lebenshilfe Goslar geht sogar einen Schritt weiter. So haben am 5. Juni 2020 und 8. Juni 2020 sogenannten Pool-Testungen von fast 300 Mitarbeitern stattgefunden. Alle Testergebnisse waren negativ, es wurde demnach keine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen.

Die Lebenshilfe Goslar hofft nach all den Maßnahmen, dass die Verordnung zum Tragen der ganztägigen Maskenpflicht schnellstmöglich zurückgenommen wird.

 

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